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Meine Eltern haben nie von all dem etwas mitbekommen. Nie. Sie wissen nicht, was ich durchgemacht habe. Sie haben es einfach nicht gesehen.

Ich habe weniger gegessen, das haben sie gemerkt. "Wenn du aufhörst zu essen, lasse ich dich einweisen" -mach doch. Das war alles.

 Neulich ging es wieder um meine Vergangenheit. Ich sagte "Ich hatte eine Essstörung", sie sagten "Achja, wann denn? Als ob" -wie interessiert sie doch an meinem Leben sind.

Ich sagte "Ich habe mich geritzt", sie sagte "Ach, wo denn?". Ich zeigte ihr meinen Arm, sie sagte "Der eine kleine", ich sagte "Da sind viel mehr, wenn du nur genau genug hinsiehst". Nein, für sie ist es kein Grund, sich selbst anzuzweifeln.

Ich habe mich damals nicht umsonst mit L. getroffen, mich zu ihm hingezogen gefühlt und es wieder abgestellt, als er weggezogen ist. Ich hatte schließlich F.

Den habe ich vielleicht nicht mehr lange an meiner Seite. Aber wer weiß das schon..

Immer, wenn ich meinen Arm ansehe, erinnere ich mich genau daran, wann welcher Schnitt zu welchem Grund gemacht wurde. Fast.

Ich war ein Wrack. Körperlich und emotional.

Als ich von der Freizeit erzählte, dass ich am letzten Abend so gut wie umgekippt bin, kam nur ein "Weil du zu wenig gegessen hast". Keine Anteilnahme. Wieso auch? Ich bin ja nur die Tochter.

Wie gerne würde ich die Zeit zurück drehen und ihnen während dieser schlimmen Zeit alles offen legen. Die frischen Schnittwunden neben den seit drei Tagen verheilenden. Mein Kalorienbuch. Meinen Blog. Mein Tumblr. Alles. Jetzt ist es zu spät. 

24.4.16 21:31

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